Tinkturen und so mancherlei

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Immer wieder werde ich gefragt, wie man am besten eine Tinktur herstellt. Dazu muss man einige Dinge unterscheiden:

1.) Welche Pflanzenteile möchte ich ausziehen?
2.) Womit möchte ich sie ausziehen?
3.) Nicht unwesentlich: wofür und für wen möchte ich die Pflanzentinktur verwenden?

Im Rahmen dieses Blogs kann ich verständlicherweise nur allgemeine Hinweise und Informationen geben. Und – wie Sie wissen – weder die Heilwirkung so mancher Pflanze anpreisen noch ihre Verwendung empfehlen.

 

Ich möchte Ihnen heute jedenfalls zwei Methoden vorstellen:
  • zum Einen die rein alkoholische Tinktur
  • zum Anderen die Alkohol-Glycerin-Tinktur

(Es gibt noch die Möglichkeiten, mit Essig Tinkturen herzustellen. Von einer wässrigen „Tinktur“ möchte ich hier Abstand nehmen.“

Bleiben wir erst mal bei der mit Alkohol hergestellten Tinktur.

Die Konzentration des dabei verwendeten Alkohols richtet sich

  • nach dem Pflanzenmaterial
  • und nach den Pflanzeninhaltsstoffen, die gelöst werden sollen.

Wollen wir Blüten und Blätter zu einer Tinktur verarbeiten, so benötigen wir grundsätzlich 38-40%igen Alkohol, also beispielsweise Korn oder Wodka.

Möchte ich Rinden und Hölzer ausziehen, dann verwende ich am Liebsten Doppelkorn mit 70%.

Und beim Umwandeln von Harzen zu Tinkturen nehme ich 96%iges Ethanol (= Weingeist).

Aber Vorsicht!

Mit dem Alkohol löse ich auch die unterschiedlichsten Pflanzeninhaltsstoffe aus meinem Pflanzenmaterial. Und das könnte unter Umständen ins Auge gehen!

  • Alkaloide löst man bereits mit 40-50%igem Alkohol
  • Bitterstoffe, Cumarine, Glykoside, Flavonoide ebenso
  • Gerbstoffe benötigen einen Alkoholgehalt von 40-60%
  • für Schleimstoffe reicht ein Alkoholgehalt von 30-40%
  • und ätherische Öle lösen sich am besten mit 50-70%igem Alkohol.
Wesentlich ist auch die Frage: Habe ich für meine Tinktur frisches oder getrocknetes Pflanzenmaterial zur Verfügung?

Frische Pflanzen verfügen über einen Gehalt an Wasser. Für allgemeine Tinkturen sollte man daher zwischen 50-60%igen Alkohol verwenden. Denn durch das enthaltene Wasser wird meine Tinktur ja genaugenommen verdünnt. Ich erhalte bei meiner fertigen Tinktur dann einen Alkoholgehalt von etwa 30-40%.

Getrocknete Pflanzen auszuziehen, dafür reicht auch mein 38%iger Korn, der wird ja nicht durch Pflanzenwasser verdünnt… Der Alkoholgehalt meiner Tinktur wird durch das Pflanzenmaterial nicht mehr verändert – er bleibt ziemlich gleich.

Für frische Wurzeln und Rinden nimmt man am besten Doppelkorn (70%ig), um die darin enthaltene Feuchtigkeit „aufzufangen“.

Bei getrocknetem Wurzel- und Rindenmaterial reicht wiederum ein niedriger Alkohol.

 

Alkohol verdünnen – geht das?

Manchmal hat man nur 96%iges Ethanol zur Verfügung. Das kann mit reinem Quellwasser oder stillem Mineralwasser (bitte NICHT mit destilliertem Wasser) verdünnt werden. Um auf den richtigen Umrechnungsfaktor zu kommen, stehen uns erfreulicherweise auch Umrechnungstools im Internet zur Verfügung (empfehlenswert ist die Seite ptaheute.de/labor-rezeptur/ethanol-rechner/ – einfach und rasch kommt man hier zur richtigen Menge).

 

Kann man Pflanzen für eine Tinktur mischen?

Grundsätzlich kann man. Allerdings bevorzuge ich es, jede Pflanze autochton für sich zu extrahieren und die Tinkturen dann am Schluß zu mischen. Da jede Pflanze andere Eigenschaften besitzt, möchte ich sie auch ihren Eigenschaften entsprechend lang ausziehen… Das kann von 10 Tagen bis zu gut 4 Wochen dauern.

Während dieser Zeit sollte man nicht darauf vergessen, die Ansätze auch immer wieder mal zu bewegen (d.h. das Glas etwas zu schwenken).

 

Allerlei Tinkturen

Wie ist das nun mit den Glycerin-Auszügen?

Das dafür verwendete Glycerin ist pflanzlichen Ursprungs, meist aus Kokosnuss oder Soja hergestellt. Es ist im Handel als Glycerol 86,5%ig oder Glycerol 99,5%ig.
Um dieses Glycerin dann auch wirklich sinnvoll einzusetzen, wird es mit Wasser verdünnt, je nachdem, ob ich nun frische oder getrocknete Pflanzenteile damit ausziehen möchte.

Bei getrocknetem Pflanzenmaterial verwendet man 1 Teil Wasser und 2 Teile Glycerin, bei frischen Pflanzen kommen auf 1 Teil Wasser 3 Teile Glycerin.

Die Pflanzen müssen vor dem Ausziehen mit Glycerin gut zerkleinert werden. Es hat sich bewährt (diese Info stammt von Rudi Beiser), sie mit dem auf ca. 70°C erhitzten Wasser zu übergießen und ca. 10 Minuten lang ziehen zu lassen. Dann gibt man das Glycerin dazu. Der Ansatz bleibt nun 2-3 Wochen lang stehen (wenn man darauf mal vergißt, kein Problem, auch nach 4 Wochen ist er noch ok). Allerdings sollte man ihn täglich mit einem Holzspatel umrühren, damit auch wirklich alles gut ausgezogen wird. Danach wird abgesiebt.

 

Und wie lange hält das nun?

Die Haltbarkeit eines Glycerin-Auszugs bewegt sich so um 1 Jahr. Jene einer rein alkoholischen Tinktur ist quasi beinahe unbegrenzt…

 

Zu guter Letzt…
  • Bitte verwenden Sie für Ihre Tinkturen und Auszüge lediglich jene Pflanzen, die Sie sehr gut kennen.
  • Verwenden Sie KEINE Giftpflanzen – die gehören NICHT in Ihre Hausapotheke.
  • Und bitte geben Sie bei der Dosierung Ihrer Tinkturen acht: auch wenn der Alkoholgehalt letztlich nicht unbedingt sehr hoch ist – für Kinder unter 6 Jahren verwende ich persönlich KEINE alkoholischen Tinkturen, bestenfalls einen Glycerin-Auszug (oder einen mit Apfelessig).
  • Dosierempfehlung ist allgemein für Erwachsene bis zu 3x täglich 10-15 Tropfen für alkoholische Tinkturen, ca. 3x täglich bis zu 20 Tropfen eines Glycerinauszugs aufgelöst in warmem Tee, für Kinder unbedingt max. 2/3 dieser Dosis.

 

Empfehlenswerte Literatur zu diesem Thema finden Sie bei

Christian Sollmann, „Pflanzliche Urtinkturen und homöopathische Heilmittel selbst herstellen“
Rudi Beiser/Helga Ell-Beiser, „Heilpflanzen-Tinkturen“
Elisabeth Engler, „Heilsirup, Kräuterhonig, Oxymel & Co“
Ingrid Kleindienst-John, „Pflanzencode“

um nur einige zu nennen.

Den sicheren Umgang bei der Herstellung von Tinkturen & Co. erlernen Sie aber auch in einem meiner Kräuterseminare (die aktuellen finden Sie unter dem Link „Termine“).

 

 

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