Sommer-Faulheit

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Ich gebe zu, ich bin derzeit „Sommer-faul“. Warum auch nicht? Meine Definition von „faul“ ist allerdings vielleicht ein wenig anders, als man sich denken mag.

Für mich ist es schon ein schönes Stück „Sommer-Faulheit“, wenn ich mich nur unserem Garten widmen darf, ein gutes Buch zu lesen habe (und auch dazu komme, das zu tun!) und meinem Hobby Wolle zu färben frönen kann… und das mache ich derzeit mit Begeisterung.

Der Regen zwingt mich allerdings sozusagen stücklweise immer wieder ins Haus zurück und da hat mich doch beim Umräumen und Schlichten ein alter Artikel, den ich im Jahr 2012 verfaßt habe, dazu animiert, diesen Blog heute zu schreiben. Also wieder nix mit Faulheit? Na ja! Vielleicht mögen Sie ja weiterlesen…

HarzsalbePech – das Gold des 19. Jahrhunderts

In Gasteil findet sich am Abhang des Gahns ein Waldstück, in dem Schwarzföhren stehen, die mit den typischen Einschnitten der Pecher versehen sind. Bedingt durch die dichte Bewaldung des gesamten Gebiets war und ist hier in den Wiener Alpen  die Holzwirtschaft ein wichtiger Faktor für die Region.

Das Pechergewerbe hat über Jahrhunderte die Landschaft, Wirtschaft und Kultur unserer Heimat im südöstlichen Niederösterreich nachhaltig geprägt. So auch im Gebiet um Gasteil und Prigglitz. Seit dem Mittelalter ist hier die Pecherei geschichtlich belegt. Aus dem Baumharz der Schwarzföhre – dem Pech – werden Terpentin und Kolophonium gewonnen.

Unter dem Begriff „Pecherei“ versteht man ein seit Jahrhunderten übliches Handwerk, das der Gewinnung von Harz der Föhrenbäume dient. Der Stamm des Baumes wird dabei oberflächlich verwundet, um so den Harzfluß künstlich anzuregen. Der Baum bildet das Harz, um seine Wunden zu verschließen. Das macht der Pecher sich zunutze.

Zuerst entfernt der Pecher die grobe Rinde. Das geschieht zu Beginn der warmen Jahreszeit. Die Einschnitte werden in einer Höhe von ca. 50 cm (vom Boden weg gemessen) gemacht. Danach werden mit einem Hobel V-förmige, ca. 1 cm breite Rillen in die verbliebene dünne untere Rindenschichte geschnitten. Dadurch beginnt das Harz in den Behälter zu fließen, der unter dem Einschnitt angebracht wurde. Alle 4-5 Tage wird ein neuer Schnitt gesetzt, immer über dem letzten.

Das gewonnene Harz wird dann in Raffinerien und Siedereien mit Wasserdampf zu zu Terpentinöl (ätherisches Öl) und Kolophonium (nichtflüchtiger Rückstand) weiterverarbeitet. Diese Zwischenprodukte waren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die Grundlage zur industriellen Erzeugung von Papier, Lacken, Farben, Seife und vielen anderen Produkten. Aus Kolophonium wird übrigens in einem weiteren Arbeitsschritt Geigenharz hergestellt.

Ich mache gerne aus dem Harz eine Harzsalbe – und das geht ganz einfach:

Baumharz etwas zerkleinern, in ein altes Reinderl geben und mit Mandelöl (oder Sesamöl oder Rapsöl oder…) übergießen. Bei ca. 60° C so lange ausziehen, bis das Harz weitgehend geschmolzen ist. Danach abseihen und mit Bienenwachs zur Salbe rühren.

 

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