Lavendel ist nicht gleich Lavendel

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Immer wieder kauft man sich im Frühling vermeintlich Lavendel für den Garten, der sich dann als Lavandin oder vielleicht sogar als Speiklavendel entpuppt.

Die Unterschiede sollten für uns Aromatologen/Aromapraktiker/Aromaexperten vom ätherischen Öl her schon erkennbar sein, aber sind sie das auch vom Wuchs der Pflanze her? Ja, doch, behaupte ich einmal…

Lavendel fein (Lavandula angustifolia ssp. angustifolia, Lavandula officinalis) erkennt man vor allem daran, das seine Wuchsform eher niedrig ist. Er besitzt viele Triebe in kleinen Büscheln. Wenn es sich nicht um eine Kreuzung handelt, blüht echter Lavendel blass-blau mit violettem Einschlag. In gezüchteter Form gibt es ihn von weiß über rosa bis hin zu indigoblau. Sein ätherisches Öl eignet sich besonders gut zu psychischer Beruhigung, aber auch für die Linderung kleiner Beschwerden. Es kann für Jung und Alt eingesetzt werden.

Lavendel feinLavendel extra (Lavandula angustifolia ssp. angustifolia var. fragrans): dabei handelt es sich um den wilden Berglavendel. Auch er bildet eher kleine Büschel mit dünnen Trieben. Man findet ihn bevorzugt in beinahe schon alpinen Höhen, wildwachsend. Er benötigt eine sehr sonnige und trockene Lage auf Kalkboden. Sein ätherisches Öl ist stark aromatisch duftend und für mich der beste Lavendelduft.

Für beide Arten gilt:
Inhaltsstoffe sind bis zu 13% Monoterpene, bis zu 40% Monoterpenole (v.a. Linalool), etwa 25-55% Ester (Linalylacetat und Lavandulylacetat), ca. 5% Caryophyllen (= Sesquiterpen), ca. 1% Monoterpenketone, bis zu 1% Oxide – insgesamt gut 120 unterschiedliche Inhaltsstoffe!
Es gibt vom Lavendel bis zu ca. 300 Untergruppen!

SpeiklavendelSpeiklavendel (Lavandula latifolia, Lavandula spica), der „breitblättrige“ Lavendel  besitzt längliche, weißfilzige Blätter. Er wächst in großen, grasartigen Büscheln und bevorzugt eine trockene Lage auf Kalkboden. Man sagt ihm nach, frostempfindlich zu sein, aber dennoch wächst er in meinem Garten auf 500m Seehöhe wunderbar und hat schon sehr viele Winter gut überstanden. Er wird sehr hoch, 80cm bis 120cm sind keine Seltenheit. Seine Blätter können bis zu 9mm breit werden. Seine Inhaltsstoffe sind bis zu 50% Monoterpenole (v.a. Linalool und Terpinen-4-ol), durchschnittlich ca. 35% Oxide (v.a. 1,8-Cineol), etwa 15% Kampfer (= Monoterpenketon!), bis zu 16% Monoterpene (v.a. Limonen und Phellandren), nur etwa 2% Ester (Linalylacetat) und Bisabolol (= Sesquiterpenol). Sein Name leitet sich vom lateinischen „spica“ (= Ähre) ab. Er eignet sich besonders gut bei Atemwegsbeschwerden. Allerdings ist er für Kleinkinder nicht geeignet, das gilt auch für Schwangere. Grund dafür ist einerseits sein Oxid- andererseits sein Kampfergehalt.

LavandinLavandin (Lavandula hybrida): Von dieser Lavendel-Kreuzung (zwischen Speiklavendel und Lavendel fein) gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Arten. Hier die wichtigsten für Aromaexperten:

  • Lavandin Super – enthält ca. 6% Kampfer, bis zu 50% Ester und wenig Oxide
  • Lavandin Grosso – enthält etwa 5% Kampfer, ca. 30% Ester
  • Lavandin Abrialis – ähnelt dem Speiklavendel und ist eher selten – enthält ca. 9% Kampfer und ca. 30% Ester
  • Lavandin Reydovan – er ist ebenfalls eher selten und enthält Kampfer, Ester und Oxide.

Lavandin – das ist Aktivierung unserer kleinen grauen Zellen im Gehirn, belebend und vor allem hilfreich bei Erkältungen. Lavandin wirkt antiseptisch und antibakteriell, er ist durchblutungsfördernd und hilft wunderbar gegen Juckreiz. Kommt man schlecht aus dem Bett, so hilft 1 Tropfen Lavandin gemeinsam mit 1 Tropfen Rosmarin cineol auf einem Taschentuch – das Aufstehen wird leicht!

SchopflavendelUnd dann bleibt noch der Schopflavendel (Lavandula stoechas), der wohl heikelste in unseren Breiten. Auch diese Lavendelart hat ein wunderbares ätherisches Öl. Es enthält jedoch bis zu 80% Ketone, nur ca. 10% Monoterpene, etwa bis zu 8% Oxide, 3% Monoterpenole und ca. 3% Ester.
Schopflavendel blüht in Form einer Scheinähre mit ganz extrem dichten Blütenständen und mit seinen charakteristischen Hochblüten darüber. Dieser Lavendel bevorzugt nun wirklich das Klima des Mittelmeeres und einen eher sandigen Boden. Auch hier gibt es Unterarten, die bei uns als Gartenpflanzen beliebt sind. Durch seinen hohen Ketongehalt ist er absolut nicht für Schwangere und Kleinkinder geeignet, kann aber bei insulinabhängigen Diabetikern sogar zu einer Hypoglykämie führen und allgemein gesehen bei einer Überdosierung (Einreibung) Krampfanfälle auslösen. Dennoch hat er auch etwas wirklich Positives: das ätherische Öl regt den Gehirnstoffwechsel an, ist klärend und belebend und kann bei nervösen Herzbeschwerden in der Duftlampe (zart dosiert) eingesetzt werden. Nach einem Zeckenbiss hilft ein Tropfen auf die Bißstelle gegeben dabei, das Gift der Zecke rascher abzubauen.

 

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