Ostern, d a s Frühlingsfest schlechthin, ist heuer doch tatsächlich sehr stark mit dem Frühlingsbeginn verknüpft! Wie oft hatten wir denn eigentlich bereits Frühlingsbeginn am Palmsonntag? Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern...
Frühlingsbeginn, das bedeutete für uns als Kinder endlich Kniestrümpfe anziehen zu dürfen - heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen! Aber wir trugen den ganzen langen Winter hindurch kratzige Wollstrümpfe mit lästigen Strumpfgürteln, ständigen Knitterfalten um die Knöchel - da war man wirklich froh, sich dessen entledigen zu können...
Heute freue ich mich über die wärmenden Sonnenstrahlen und darüber, dass ich im Garten werkeln kann. Die ersten zarten Knospen gehen auf, das Lungenkraut und die Primeln blühen, ja ich hab bereits ein erstes Veilchen gesichtet!
Kennen Sie übrigens die Sage vom ersten Märzen-Veilchen? Nein (es handelt sich um eine Sage aus dem alten Wien)? Na dann darf ich sie in kurzen Worten wiedergeben - sie heißt:
Das Veilchenfest
Herzog Otto III, der Fröhliche, herrschte gütig über die österreichischen Länder. Langsam begannen seine Untertanen wieder das Leben zu genießen - es hatten schreckliche Zeiten in den Kronländern geherrscht, nun war wieder Frieden eingekehrt.
Das Veilchenfest war eines der Feste, die damals in jedem Jahr gefeiert wurden. Man streifte durch den Wienerwald und suchte nach dem kleinen blauen Blümchen. Derjenige, der das erste Veilchen fand, bedeckte das Blümchen mit seinem Hut und rannte so rasch ihn seine Beine trugen zum Herzog, um ihm diese Freudenbotschaft zu überbringen: Endlich hatte der Frühling wirklich Einzug gehalten.
Der Herzog ließ daraufhin einen festlichen Zug zum Pflücken dieses ersten Veilchens einberufen und so zog die höfische Gesellschaft fröhlich zum Fundort des Veilchens, um das Veilchenfest zu beginnen.
Im Frühling des Jahres 1325 wanderte ein Ritter langsam am Kahlenberg dahin, als er das erste Veilchen des Frühlings fand. Rasch bedeckte er das Blümchen mit seinem Hut und eilte zur Burg, um Herzog Otto zu benachrichtigen. Herzog Otto war höchst erfreut und der fröhliche Zug der Höflinge und Bürger zog aus der Stadt in Richtung Kahlenberg. Allen voran stolzierte der Ritter, hinter ihm kam die Musik mit fröhlichen Klängen, eine Schar weißgekleiderter Jungfrauen und dahinter das Herzogspaar. Ihnen schloß sich der restliche Hofstaat an und danach die Bürger der Stadt Wien.
Als der Herzog den Hut des Ritters anhob, erstarrte er vor Zorn: darunter verbarg sich kein Veilchen sondern ein Häufchen Unrat. Herzog Otto war mehr als zornig und wandte sich um, um wieder in die Stadt zurück zu kehren. Der gedemütigte Ritter versuchte, sich zu entschuldigen - es hätte einer seiner Feinde getan - aber Herzog Otto wandte sich von ihm ab.
Das Volk beschimpfte den armen Ritter und wollte ihm auch tätlich zu Leibe rücken. Doch dieser rannte davon und verlangsamte erst seine Schritte, als er nach Heiligenstadt kam. Er wollte hier seine Schmach mit einem Krug Bier hinunterspülen. Doch was sahen seine Augen, als er zum Dorfwirtshaus kam? Die Jugend des Dorfes tanzte rund um eine Stange einen fröhlichen Reigen. Auf der Stange prangte ein Veilchen! Das konnte nur das seine sein! Auf seine Frage hin erzählte ihm einer der jungen Leute, dass zwei Bauern den Ritter beim Auffinden des Veilchens beobachtet hätten und es in seiner Abwesenheit gepflückt hätten. An die Stelle des Veilchens hatten sie Unrat unter den Hut gelegt.
Der Ritter hatte genug gehört! Er zog sein Schwert und fuhr zwischen die Bauern - viele von ihnen trugen böse Wunden davon. Mit dem Veilchen aber eilte er in die Stadt zu seinem Herzog. Er erzählte von der Rache, die er an den Bauern geübt hatte. Der Herzog verzieh dem Ritter, die Heiligenstädter Bauern aber blieben auf ewig die Feinde des Ritters...
In diesem Sinne: Suchen Sie doch auch nach Ihrem ersten Frühlingsveilchen!
Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Osterfest!
Ihre
Ingrid Kleindienst-John